Brieftauben der Bricoux-Rasse

Bricoux-Tauben bei Wilfried Bracht in Rot und Fahl


Informationen über die Regenstein-Linie der Bricoux-Tauben

Ich verfüge zur Zeit über zwanzig Bricoux-Zuchtpaare der Regenstein-Linie, die nach meiner Auffassung als die reinste Bricoux-Linie anzusehen ist.

Durch jahrzehntelange Inzucht haben meine Tauben noch das typische Erscheinungsbild der Tauben des Dr. Bricoux.

Ich züchte diesen Stamm nur in den Farben  rotgehämmert und fahl. Unter diesen Tieren finden sich sowohl Silberfahle als auch rotgeh. Mehlköpfe.

Trotz der engsten Verwandtschaft der Tauben bringt die Nachzucht sowohl in Reinzucht, insbesondere aber in Kreuzung, hervorragende Wettflugergebnisse. Leistung und Schönheit sind hier in Übereinstimmung.
 
Aufzeichnungen von Friedrich Regenstein:
Die nachfolgenden Ausführungen beruhen auf Original-Aufzeichnungen von Friedrich Regenstein, die ich im März 1999 von seiner Witwe Anne Regenstein bei meinem Besuch erhielt.  
Ich bin ihr noch heute dankbar dafür, dass sie mir wichtige Notizen und andere Unterlagen ihres damals bereits verstorbenen Mannes überlassen hat.  

Die Regenstein-Linie der Bricoux-Tauben  (von Friedrich Regenstein)
Die heutigen Bricoux-Züchter haben sich in erster Linie auf die rote und fahle Gefiederfarbe festgelegt. Allerdings hatte Dr. Bricoux nicht nur solche Tiere, sondern auch blaue und gehämmerte.

Da ihm Rot und Fahl aber am besten gefielen, gab er die Blauen und Gehämmerten in erster Linie seinem Schwager Duray,  „der mit diesen berühmt wurde und später die stärkste Konkurrenz für Bricoux darstellte.“

Im Jahre 1930 „sah sich Dr. Bricoux gezwungen ...  mehrere seiner berühmten Tiere zu verkaufen. Fritz Wittich erwarb von diesen einige Paare....Wittich bezog direkt von Dr. Bricoux einen rotgehämmerten Sohn de Plumenoir, einen fahlen Sohn und eine Enkelin fahl des Cesar, eine Tochter des alten Bossu (blaugehämmert) und zwei Töchter  aus dem kleinen Musketier (rotgehämmert) und mehrere andere.“

„Mein Freund Wittich ließ mir dann freie Hand in der Zucht (ich galt als Vererbungsfachmann). Er kaufte auf meinen Rat noch Originale aus“ anderen deutschen Schlägen, die ebenfalls bei Bricoux eingekauft hatten. „Diese und seine Originaltauben verpaarte ich- zunächst gegen Wittichs Willen- (er war bange, weil Dr. Bricoux bereits starke Inzucht betrieben hatte), wieder in enger Inzucht zusammen.

Soweit ich mich erinnern kann, wurde Wittich dann Jungtiermeister, dann RV-Meister und im 3. Jahr dann Meister des ganzen damaligen Gaues Südwest ( einschließlich Frankfurter Raum). Er blieb (mit einer Ausnahme) bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ungeschlagener Meister. Die Ausnahme: Auf einem Fluge Budapest1937 errang ich mit den von ihm erhaltenen Bricouxnachzuchttieren mit dem 3., 4. und 155. Preis die schnellste Serie.

Wir erwarben dann 1939 noch einige Originaltiere (auch 41/42 noch von Hentges)... Bei uns anfallende Schecken gehen  auf eine Blauschecktäubin zurück, die aus Nachzucht von Bricoux’s gehämmerter Weißfeder ( Plume blanche) stammte.

Bei Ausbruch des Krieges gab ich einige Tiere an Dr. Albrecht, Frielendorf, ab. Der Schlag wurde bekannt. Während des Krieges wurde ich nach Krefeld dienstverpflichtet, wohin ich meine Zuchtpaare mitnahm. Dort erhielt ich von dem bekannten Züchter Pannen eine 11jährige reine Bacléne-Täubin, rot, die natürlich hervorragend passte.

Um 1934 hatte Wittich von Hoff, Bad Kreuznach, einen reinen roten Bacléne-Vogel erhalten, der direkt aus dem Sohn des berühmten ...Le Brun stammte... Der Enkel flog bei mir u.a. 1.Preis Passau mit 5 Minuten Vorsprung.  

Während des Krieges verlagerte Wittich u.a. einen großen Teil seines Bestandes auf den Schlag des Züchters Hugo Sandforth, Bottrop, dessen Schlag nach dem Kriege jahrelang zu den Spitzenschlägen zählte. Kurz vor Sandforths Tod übernahm ich von diesem noch mehrere Zuchttiere (Inzest).

Während des Krieges hatten Wittich und ich mehrfach den bekannten Schlag Hentges, Luxemburg , besucht, der sich ebenfall Bricoux-Tauben zugelegt hatte. Auch von dieser Nachzucht erwarben Wittich und ich (1941/42) Tiere.

Bei Kriegsende wurden meine Bricouxtiere von Brieftaubenexperten der USA-Kampftruppe beschlagnahmt. ...Beim Verladen entkamen einige meiner besten Tauben. Diese bildeten mit 1945 von Sandforth und 1946 (unter widrigsten französischen Grenzumständen) von Wittich zurückerhaltenen Tauben den Wiederanfang.

1947 beschlagnahmte die französiche Besatzung plötzlich noch den bis dahin verschont gebliebenen Originalbestand Wittichs. Dieser erhielt wiederum um 1950 Tiere von Sandfort und mir zurück, womit W. dann wieder anfing...

Im Tausch erhielt ich einen Fabry-Vogel von Dr. Brücker, Schweiz, der sehr gut einschlug und in Verdrängungszucht aber wieder ausgemendelt wurde. Wie sich später herausstellte, führte auch dieser Vogel Bricouxblut über die roten und fahlen Fabrys.

Hier sei angemerkt, dass auch das Wondervosje der Gebr. Janssen Bricouxblut geführt haben soll, sowie angeblich auch einige blaue Ursprungstiere dieses Schlages. Ich vermute, dass deshalb die Kreuzung Bricoux-Janssen meistens gut geht.

Von Wittich, Sandforth und Regenstein sind eine große Zahl guter Bricouxtauben verbreitet worden, die zum Aufbau heute noch hervorragend reisender Stämme gedient haben. Sie sind inzuchtfest und bringen auch in Reinzucht nach wie vor beste Leistungen. 

So weit die interessanten Ausführungen Friedrich Regensteins.  

Er fügte noch den nachfolgenden Anhang bei:

Aus Originaltieren sind in den Abstammungskarten meiner Tauben noch folgende nachzuweisen (Er nennt in seinen Aufzeichnungen die Ringnummern der originalen Bricouxtauben):
Gehämmerte Tochter des "Bussu"
Fahler Sohn des "Jules César"
Rotgehämmerte Taube ("César"-Linie)
"Le Championet"
"De Brun"
"Libourne"
Fahler Sohn des  "Plume noire"
Sohn des Bruders von "Libourne"
Rotgehämmerter Sohn der "LePetite rouge"
Gute Gehämmerte aus  "Jules César"
Fahl von Hentges aus einem originalen Bricouxpaar
 
Copyright by Wilfried Bracht, D Altena
 

Die Tauben von Ernest Duray

Nach einem Artikel in niederländischer Sprache bei Pipa –Pigeon Paradise, veröffentlicht im Internet

Ernest Duray war ein Großindustrieller aus Ecaussines, Belgien. Er war seit dem Weltkrieg  1914-1918 ein großer belgischer Champion.

Am 3. Dezember 1933 verkaufte er auf dem Höhepunkt seiner Erfolge seinen gesamten Bestand an alten Tauben.

Er gewann dreimal einen ersten Preis National Pau. Und zwar in den Jahren 1930, 1931 und 1933.

Ferner zweimal den ersten Preis National Dax und zwar 1925 und 1926. Im Jahr 1929 errang er auf National Dax einen 2.Preis.

Die größten Erfolge erreichte Duray nachdem er an einem Mittwoch im Lokal „Union et Progres“ seinem guten Freund Dr. Bricoux begegnete. Dieser  Plauderei  zwischen „pot en pint“ (Topf und Deckel)  verdankt Duray seine Methode, mit der er seine dann aufsehenerregenden Erfolge erzielte. Am Tag nach dem Gespräch setzte er alle Tauben auf Witwerschaft.

Ernest Duray war bereits vor und nach dem Krieg von 1914 – 18 Eigentümer von erfolgreichen Tauben. Als Dr. Bricoux mit seinen Erfolgen einen jeden überrumpelte, ging Ernest Duray sogleich nach Jolimont, von wo er sich eine Anzahl von Jungtauben holte, aber kein Wort über die Reisemethode erfuhr.

Nach dem Erwerb bei Dr. Bricoux ging Ernest Duray zu Paul Sion in Tourcoing (Frankreich), dem großen französischen Champion. Dort bekam er die rassereinen Tauben von Arthur Marchal aus Luik (Belgien) und von Nestor Tremmery aus Oudenburg (Belgien).

Aber woraus formte Duray seinen so erfolgreichen Stamm?
Es waren die Tauben, die er bereits vor 1914 besaß, dann die erworbenen Bricoux, die genannten Marichal-Tauben und die Tremmery.
Letztere bestanden aus einer Kreuzung Vandevelde (Oudenburg) x Bricoux(Jolimont) und Caramin (Chatelet)

Aus dieser Kombination verschiedener Herkunfttauben ist zu erkennen, dass Duray die von Bricoux erworbenen Tauben mit den Tauben anderer Herkunft kreuzte.
Aus diesem Grund haben Bricoux-Züchter der Vergangenheit sich immer gegen eine Gleichsetzung beider Stämme zur Wehr gesetzt.

Interessant ist auch, dass nach der Vernichtung des Schlages von Dr. Bricoux durch die französische Armee im Jahre 1940 nur die Züchter Tremmery und Caramin ihrem Freund beim Wiederaufbau des Bestandes mit Bricoux-Tauben geholfen haben. Erinnern wir uns: Duray hatte 1933 (s.o.) seinen gesamten Bestand an alten Tauben verkauft. Diese standen also für einen Neuanfang Dr. Bricoux nicht zur Verfügung. Was Duray dann mit den verbliebenen jungen Tauben seiner Zucht machte und ob er damit noch Erfolge feiern konnte, ist nicht bekannt.
Auch gegenwärtig gibt es wieder Züchter, die Duray-Tauben mit Bricoux-Tauben gleichsetzen.
  Dieses ist aber in jedem Falle aus den vorgenannten Gründen abzulehnen. So haben das auch Züchtergenerationen vor uns gesehen.

Wer also Duray-Tauben in seinen  reinen Bricoux-Bestand  einkreuzt, kann dann meines Erachtens bei den Nachkommen nicht mehr von Bricoux-Tauben sprechen.  

Wilfried Bracht

Am 25.   Dezember 1930 ließ Dr. Arthur Bricoux im Palais du Midi in Brüssel 137 Tauben   versteigern.

Die Gründe für die Versteigerung werden im   familiären Bereich vermutet. Dies war ein Schritt, der dem großartigen  Züchter besonders schwer gefallen sein dürfte.

Hier zeige ich Ihnen 8 der roten   Versteigerungstauben. Die Fotos sind einer Kopie des Versteigerungskatalogs  entnommen, die sich in meinem Besitz befindet. Leider ist die Kopie nicht von   guter Qualität, so dass die gezeigten Fotos zu wünschen übrig lassen.